Doch vorher ging Thomas Nickel, NBSV-Ehrenpräsident und Leiter der Satzungskommission, die sich intensiv mit den Änderungen befasst hatte, auf die geplanten Neuerungen ein: Nur Regimentsschützen – das sind ausschließlich Männer – dürfen bei den Paraden und Umzügen mitmarschieren, ins Komitees gewählt oder Schützenkönig werden. Mitmarschieren dürfen junge Männer bereits ab 16 Jahren. Eine fortdauernde, nicht alljährlich zu erneuernde Mitgliedschaft ist für alle Menschen ab null Jahren möglich. Ein Plus für weibliche Mitglieder: Auch sie haben künftig das uneingeschränkte Wahlrecht.
Doch bevor Thomas Nickel den Tränen nahe das endgültige Abstimmungsergebnis entgegen nahm, hatte der Ehrenpräsident als Versammlungsleiter alle Hände voll zu tun. Geduldig und souverän ging er auf zahlreiche Rückfragen ein. Fleißigster Redner aus dem Publikum war zweifelsohne Tobias Grosse-Brockhoff vom Grenadierzug „Quiri‘Nüsser“; er hatte mit einigen seiner Einwände Erfolg – zwei seiner Anregungen wurden in der Satzung aufgenommen.
Zu den Fürsprechern der Satzungsänderung gehörte Schützenlust-Hauptmann Karlheinz Ackermann („... ein Einstieg in die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Neusser Schützenwesen“), ebenso wie Präsident Martin Flecken: „Das Komitee verspricht: Wir bleiben das Aushängeschild der Stadt Neuss!“ Thomas Nickel stellte fest: „Für mich hat sich nie die Frage gestellt, ob wir frauenfeindlich sind oder nicht.“ Aber die Gesellschaft habe sich weiter entwickelt. Die Satzungsänderung helfe, „die nächste Generation einzubinden und auch keinen zu verlieren, der sagt, es geht zu weit“. Schließlich habe er bei Besuchen in Schützenzügen oftmals die Sorge verspürt, „wir würden unser Schützenfest verraten und tun, was unsere Väter nicht getan hätten“.
Einzige weibliche Besucherinnen der Versammlung waren Sandra Breuer und Constanze Kriete; beide hatten in der Satzungskommission mitgearbeitet. Kriete durfte letztendlich sogar mit abstimmen; sie gehört dank der „rheinischen Lösung“ bei der Handhabung der bisherigen Satzung zu den rund 20 weiblichen passiven NBSV-Mitgliedern. Beide Frauen waren sich einig: „Das ist ein Anfang“ – aber es könnte aus ihrer Sicht gerne weiter gehen. Kriete: „Die Satzungsänderung ist nicht das, was wir wollen, sondern das, was eine Zwei-Drittel-Mehrheit bekommt.“ Was ja letztendlich geklappt hat. Nickel: „Ein guter, kein fauler Kompromiss!“